Wenn man von Norden her über die Hinden-burgstrasse in den Hamburger Stadtpark hinein fährt, fällt unweigerlich der Blick auf ein bescheidenes, verputztes Gebäude aus dem vorletzten Jahrhundert. Es ist eingebettet in einen Buchenwald, der im wesentlichen von Besuchern mit dem Wunsch nach naturnaher Erholung sowie von Joggern besucht wird. Viele Interessierte erkundigen sich immer wieder nach dem Haus, seiner Zweckbestimmung oder aber einfach danach, ob „es zu haben ist“. Es ist also heute schon ein Blickfang und Anziehungspunkt.
Dieses als Sierichsches Forsthaus bekannte Gebäude an der Hindenburgstrasse mit der Hausnummer 1 wurde im Jahre 1885 von dem Winterhuder Goldschmied Adolph Sierich erbaut. Sierich (1826 – 1889) hatte im Laufe der Zeit in Winterhude größere Ländereien aufgekauft und diese im Rahmen der Stadterweiterung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder verkauft. Das heutige Sierichsche Gehölz ließ er aufforsten und mit Wild besetzen und machte es gegen Gebühr interessierten Bürgern zugänglich. Ein hölzerner Aussichtsturm stellte dabei eine besondere Attraktion dar. Als Aufsicht für sein Jagdrevier stellte er einen Förster ein, für den er das Haus bauen ließ.
Das ehemalige Doppelhaus mit seiner für die damalige Zeit untypischen Putzbauweise und dem prägenden Mittelrisalit war spiegelbildlich in der Mitte geteilt und bot Raum für zwei Wohnungen. Nach Aufgabe der Forsthausfunktion und Übergang in städtisches Eigentum wurde es durch eine städtische Wohnungsbauverwaltung vermietet, verkam jedoch im Laufe der Zeit mangels Gebäudeunterhaltung immer mehr. Im Jahre 1995 konnte das Gebäude von der Gartenbauverwaltung übernommen werden . Ziel dieser Übernahme war die Sicherung der Gebäudesubstanz und die Errichtung eines Informations- und Kommunika-tionszentrums für den Hamburger Stadtpark in Zusammenarbeit mit dem damals schon geplanten Stadtpark Verein. Als erste Konservierungs-maßnahme konnte 1996 das Dach neu eingedeckt werden. Fenster und Türen wurden gegen Vandalismus verbrettert.
Nach Gründung des Stadtpark Vereins im Jahre 2000 konnte das im selben Jahr auch unter Denkmalschutz gestellte Haus übergeben werden. Seitdem kümmert sich die „AG Forsthaus“ des Vereins intensiv um die Herrichtung und künftige Nutzung des Gebäudes. In vielen Sitzungen wurden zunächst die Ziele für die künftige Nutzung erarbeitet:
• Alle Interessierten sollen im Sierichschen Forst-haus Informationen zur Historie des Stadtparks, zu Aktivitäten im Park, zu Kulturprojekten und zur Ökologie vorfinden.
• Kindergärten , Schulen, Vereine und Verbände, Umweltinitiativen, Kirchen und sonstige Institutionen sollen die Gelegenheit haben, hier umwelt-orientierte, im Park verankerte oder vom Stadtpark ausgehende Projekte zu realisieren.
• Historische und naturkundliche Führungen durch den Park sollen nicht nur hier ihren Ausgangspunkt haben sondern hier auch vor- und nachbereitet werden können.
• Ein breites Bürgerengagement für den Hamburger Stadtpark, aber auch für unser aller Umwelt und Ressourcen soll generationenübergreifend im Sierichschen Forsthaus entwickelt und verankert werden.
Die Ausbaupläne wurden mit dem Denkmalschutz-amt und in der Mitgliederversammlung des Vereins diskutiert und weiterentwickelt. Sie sehen einen großen, multifunktionalen Raum im Erdgeschoss sowie Seminar- und Archivräume im Obergeschoss vor.
Seit dem Jahr 2001 laufen die praktischen Arbeiten zur Umsetzung des Projektes. Nach Entfernung sämtlicher Einbauten der vergangenen Jahrzehnte, aller Elektro-, Wasser- und sonstiger Leitungen konnte das Gebäude umfassend entkernt und statisch gesichert werden. Das äußere Mauerwerk wurde instand gesetzt und gestrichen. Die Kellerräume mussten trockengelegt und mit neuen Treppen erschlossen werden. Fenster und Türen konnten größtenteils renoviert bzw. mussten teilweise ersetzt werden. Der völlig marode Bohlenbelag des Erdgeschoss musste heraus-gerissen und durch eine Betondecke ersetzt werden.
Die Versorgung des Gebäudes mit Strom und Wasser ist inzwischen hergestellt, so dass die Elektro- und Sanitärinstallationen neu eingebaut und der Trockenbau weitergeführt werden können. Als nächste Schritte sollen die Verlegung der Fußbodenheizung und des Gussasphalts im Erdgeschoss folgen, diesen schließen sich dann die Arbeiten im Außenbereich an.
Die Vereinsmitglieder und die Öffentlichkeit wurden über regelmäßige „Mitmachtermine“ und Informationstermine vor Ort informiert und in die praktische Arbeit eingebunden. Diese Termine hinterließen vor allem auch bei bislang unbeteiligten Parkbesuchern ein positives Echo.
Neben dem umfassenden ehrenamtlichen Engagement der AG wurden die Arbeiten wesentlich durch die Mitarbeit des THW und des Beschäfti-gungsträgers Einfal sowie in finanzieller Hinsicht durch Spender und Sponsoren unterstützt.
Die Arbeiten an dem Haus sollen im Laufe des Jahres abgeschlossen und das Gebäude dann der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Bereits jetzt zeigen vor allem die umliegenden Schulen ein starkes Interesse, das Gebäude und den Stadtpark in ihren Unterricht einzubeziehen. Auch der BUND, der mit einer benachbarten Schule und dem Stadtparkverein bereits das Projekt „Naturerlebnisräume“ im Stadtpark realisiert hat, ist an einer Nutzung des Gebäudes für Jugendarbeit interessiert. Dieses Interesse signalisieren außerdem der NaBu und andere Verbände. Im Sinne der o.g. Nutzungsziele ist dem Stadtpark Verein darüber hinaus an der umfassenden Einbindung aller Interessierten insbesondere aus dem Umfeld des Parkes gelegen, hierzu gehören neben den Institutionen auch Privatpersonen, die nicht in Vereinen gebunden sind oder sich binden lassen wollen.
Die enge Verzahnung der Ziele des Stadtpark Vereins mit den Nutzungszielen für das Gebäude sollen einen Beitrag zu einem neuen Bürger-engagement für den Park darstellen. Gleichzeitig soll hier Gelegenheit geboten werden, das persönliche Umweltverständnis der Parkbesucher – vor allem aber von Kindern und Jugendlichen – zu entwickeln und damit das allgemeine Umwelt-engagement für die Zukunft auch in der Großstadt zu beleben.
2014 wird der Stadtpark 100 Jahre alt werden. Dieses bedeutende Ereignis soll mit einer großen Feier gewürdigt werden. Zwecks Vorbereitung und Planung haben wir eine neue AG ins Leben gerufen, die in Kürze ihre Arbeit aufnimmt. Interessenten sind herzlich willkommen! Näheres hierzu finden Sie ganz links unter dem entsprechenden Eintrag unter "Projekte".
Unter dem Motto "80 Jahre, 4 Generationen" findet am Samstag, den 28. August 2010 ab 14 Uhr im Meerweinpark, Martin-Haller-Ring, das diesjährige Jarrefest der Jarrestadt-Leben e.V. statt. Der Stadtpark Verein wird mit einem Präsentationsstand vertreten sein. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!