Fußball im ModellbootteichNichts im Stadtpark ist zurzeit so, wie es zu dieser Jahreszeit sein sollte. Der Winter scheint nie enden zu wollen. Doch die Sonne strahlt vom Himmel, und irgendetwas geht schließlich immer. Kinder schlittern auf den festgetrampelten Schneewegen um die Wette, das Linnecafé schenkt Glühwein aus und auf dem leeren, eingeschneiten Modellbootteich wird Fußball gespielt (Foto links). Hunde wälzen sich freudig im Schnee, und auf dem großen Spielplatz wird gegrillt. Das Café am Planschbecken ist so voll, wie ich es nie zuvor gesehen habe. Jeder Platz scheint besetzt zu sein.

Inzwischen habe ich den Frühling gefunden: Er liegt schlichtweg in der Luft! Und tatsächlich: Es taut. Die strahlende Sonne zeigt Wirkung. In manchen Bereichen des Parks haben sich riesige Pfützen gebildet, weshalb man sich als Spaziergänger immer wieder ratlos fragt, wie man ihnen ausweichen soll. Links durch den Tiefschnee, oder rechts durch den Matsch? Bisweilen erübrigt sich die Frage, und man geht lieber gleich einen Umweg.

Schneematsch im StadtparkDer Schöpfer des Stadtparks Fritz Schumacher fand schon vor siebzig Jahren nicht gerade lobende Worte für diese Art von Wetter. Er beschrieb in seinem Buch „Selbstgespräche“ zunächst voller Begeisterung die jahreszeitlichen Ausblicke von seinem Haus aus auf die Alster, schloss dann aber mit den Worten:

„ (…) Und dann muß man diese schönen Eindrücke mit einer Periode bezahlen, von der nichts Rühmliches zu berichten ist: das berüchtigte Hamburger ‘Matschwetter‘, das die Sehnsucht nach dem Frühling wieder neu weckt.”

Wie wahr! Andererseits: man bedenke die wunderbar klare Luft, das Fehlen von Insekten und die Unsichtbarkeit der leidigen Maulwurfshügel. Schneematsch ist nicht schön, doch gefällt uns der trockene Sand auf den Gehwegen, der in den warmen Monaten beharrlich unsere Beinkleider verschmutzt, wirklich besser? Zum Hamburger „Staubpark“ gesellen sich gut und gern Sonnenbrände, Mückenstiche und die lästige Suche nach einem freien Platz auf der Festwiese. Ich atme tief ein und denke, vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht, wie es gerade ist.

Fotos und Redaktion: S. Gabriel