Maritimes Flair auf der TerrasseAm heutigen Ostersonntag zieht es mich zum Lesecafé am Rosengarten. Hier kommt wohl jeder Stadtpark-Besucher einmal vorbei, um bei Kaffee und Kuchen oder einer warmen Suppe eine Zeit lang zu verweilen. Auch heute hat das kleine Café geöffnet. Bislang sind noch keine Gäste dort. Bunte Eier zieren die Sträucher vor der Terrasse. Es ist etwa elf Uhr.

Ich gehe hinein, weil ich etwas über das Café erfahren möchte. Woher hat es eigentlich seinen Namen? Zeitungen oder Zeitschriften finde ich hier keine, und auch Lesungen werden nicht abgehalten. Von der Inhaberin Jeannette Bonnes erfahre ich, dass in der Anfangszeit des Cafés hier tatsächlich Bücher und Tageszeitungen auslagen. Doch alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde gestohlen. Manche Gäste boten Bücher zur Auslage an, die nicht im geringsten dem Anspruch des Cafés genügten, weil sie einfach zu schäbig waren. Auf Ablehnung reagierten die Spender mit Empörung. So entschied man sich notgedrungen, auf den Leseservice zu verzichten.

Öffnungszeiten im MärzDennoch sind Lesende hier sehr willkommen. Deshalb wird hier keine Musik gespielt. Wenn schon keine Bücher mehr ausliegen, so soll der Besucher wenigstens die nötige Ruhe finden, um sich in seine eigene Lektüre vertiefen zu können. Gemütliche Bänke lassen ein wenig maritimes Flair (Foto oben links) aufkommen, und auch drinnen gibt es inzwischen Sitzplätze. Es gibt köstlichen selbstgemachten Kuchen (von dem auch unser Verein bei Feierlichkeiten gern profitiert) und kleinere Snacks - auch in diesem bitterkalten und schneereichen Märzwinter (Foto rechts).

Das Lesecafé existiert seit 13 Jahren. Zuvor befand sich darin ein öffentliches Toilettengebäude. Das Haus stammt - ebenso wie das Linnecafé, das einst demselben Zweck diente - von Fritz Schumacher. Als zuständiger Architekt für die öffentlichen Gebäude der Stadt entwarf er auch eine Reihe von “Bedürfnisanstalten“, wie man damals zu sagen pflegte. Manche davon sind relativ geräumig - so wurde etwa das WC-Häuschen am Alsterdorfer Damm nach einigen Jahren der Zwischennutzung kürzlich zum “Braband Bistro” umgebaut.

Das Lesecafé zu OsternFür unseren Schriftführer Diederich Magnussen ist das Lesecafé zu einer Art zweiten Heimat geworden: Er arbeitet hier stundenweise und hat an wärmeren Tagen vor dem - mittlerweile nur noch seitlichen - WC-Eingang einen Tisch aufgebaut, wo er unsere Vereinsflyer auslegt. Denn, wie gesagt, jeder kommt hier irgendwann einmal vorbei. Und muss dann auch mal auf’s “stille Örtchen”... Still ist es hier aber nicht wirklich, denn zu den Flyern gibt es auch noch die eine oder andere Info zum Stadtpark Verein dazu. Mit Erfolg: So manche Mitglieder haben auf diese Weise den Weg zu uns gefunden.

Fotos und Redaktion: S. Gabriel