Seit Oktober 2015 gibt es ein erstes Element der Sonnengang-Uhr, das man mit nach Hause nehmen und mit dem man in ein eigenes Erleben kommen kann. Die Kunstwerkstatt Sonnengang-Uhr hat den Jahresring, der in der Sonnengang-Uhr die Höhe der Sonnenbahnen steuert, in verschiedenen Größen drucken lassen und auf Trägerplatten aufgezogen. So kann man den Jahresring als eine Art Bild oder Kalender nutzen.

60cm-JahresringAbb. 1: Ein 60cm-Jahresring in der Sonnengang-Uhr-Ausstellung im Forsthaus am 31.10.2015. (Bildvorlage ist der Jahresring im Stegmodell von 2004, Foto: M. Zarth)

Ausgangspunkt ist nun, jeden Tag (oder auch nur alle paar Tage) den roten Stift auf das aktuelle Datum weiterzustecken. Dann erlebt man, wie man sich durch das Jahr und durch die Jahreszeiten kreisförmig hindurchbewegt.

Ganz unten, am 21. Dezember, ist Winteranfang und Wintersonnenwende. Hier erreicht die Sonnenbahn ihren niedrigsten Stand, und es ist der kürzeste Tag des Jahres. Von da an steigen die Sonnenbahnen wieder höher, aber zunächst nur sehr langsam. Erst ab Anfang Februar kann man deutlich erleben, wie die Tage wieder länger werden und die Sonne dann zunehmend schneller höher steigt.

Jahresring im 4m-Kernmodell

Abb. 2: Der Jahresring im 4m-Kernmodell der Sonnengang-Uhr (Foto: M. Zarth)

Zum Frühlings- und Herbstanfang, genau auf halber Höhe, verändern sich Sonnenhöhe und Tageslänge am schnellsten. Am obersten Punkt des Jahresringes, am Sommeranfang (21. Juni) wird die höchste Sonnenbahn und der längste Tag des Jahres erreicht. Im oberen wie im unteren Bereich des Jahresringes gehen die täglichen Änderungen der Sonnenbahnen langsam bis auf null zurück, um danach allmählich wieder größer zu werden.

Beim Jahresring sind zusätzlich zu den vier Anfangstagen auch die vier Tage genau in der Mitte unserer üblichen Jahreszeiten gekennzeichnet. Diese sogenannten Speichentage vierteln den Jahresring X-förmig (s. Abb. 2).

Die Speichentage mit den vier „gefühlten“ Jahreszeiten

Abb. 3: Die Speichentage mit den vier „gefühlten“ Jahreszeiten (Foto und Fotomontage: M. Zarth)

Vom 6. Mai bis 7. August erstreckt sich ein Vierteljahr der hochstehenden Sonne, in dem sich die Höhe der Sonnenbahnen nur um 15% ändert. Im darauffolgenden Vierteljahr bis zum 7. November senken sich die Sonnenbahnen dann ziemlich schnell sehr weit (um 70%) herab, und entsprechend stark verkürzen sich die Tage. Im unteren Vierteljahr der tiefstehenden Sonne gibt es dann wieder nur die geringen Veränderungen bis zu 15%. Am 3. Februar schließlich beginnt das Vierteljahr der aufsteigenden Sonnen, in dem die Sonnenbahnen wieder um 70% höher steigen.

Fühlt man sich in den Jahreslauf ein wenig hinein, dann merkt man, dass im Bereich der Speichentage die jahreszeitlichen Veränderungen am stärksten erlebbar sind. In gewisser Weise kann man davon sprechen, dass die Speichentage das Jahr in vier gefühlte Jahreszeiten einteilen. Die Kelten und andere Urvölker lebten mit diesen gefühlten Jahreszeiten. Bei den Kelten hießen die Speichentage, die sie groß feierten, Beltane (6.5.), Lughnasadt (6.8.), Samhain (7.11.) und Imbolc (3.2.). Die beiden letzteren korrelieren mit den christlichen Festen Aller Seelen und Maria Lichtmess.

Die Sonne über der Planetariumskuppel

Abb. 4: Die Sonne über der Planetariumskuppel am 7. August 2003, 20:32 Uhr (von den Treppen am Stadtparksee aus gesehen, Foto: M. Zarth)

In dem ältesten uns bekannten Sonnenobservatorium in Goseck (östlich vom Harz, 4800 v. Chr.) sind, leicht abweichend von den Speichentagen, der 1. Mai und der 9. August besonders markiert. Im Hamburger Stadtpark sind Beltane und Lughnasadt dadurch inszeniert, dass an diesen beiden Tagen die Sonnenscheibe abends einen Moment lang genau über der Kuppel des Planetariums steht, wenn man sie vom Stadtparksee aus längst der Hauptachse des Parks beobachtet.

Im Jahresring der Sonnengang-Uhr sind nur die Jahreszeiten und Speichentage gekennzeichnet. Wenn man anfängt, Geburts-, Fest-, Gedenk- und sonstige Jahrestage zusätzlich einzutragen, wird er immer lebendiger und persönlicher. Nach Belieben können grafische und farbliche Elemente, Bilder, Tierkreiszeichen, besondere Ereignisse usw. hinzugefügt werden. Ein schwarz/weiß-Druck liefert eine noch neutralere Vorlage für eigene Gestaltungen. Man kann entweder viele Jahre immer den gleichen Jahresring nutzen oder jedes Jahr mit einem neuen, leeren Exemplar beginnen.

Das eigene, mehr oder weniger diffuse Erleben des Jahreslaufes kann durch den Jahresring einen wunderbaren Anker erhalten. Es wird differenzierter wahrnehmbar und bekommt eine ganzheitlichere Gestalt. Wenn man regelmäßig den Stift weitersteckt, ist man gefühlsmäßig fest in den Jahreslauf eingebunden. Es passiert nicht mehr, dass man z. B. von Weihnachten, dem Herbstbeginn oder ähnlichem überrascht wird, oder dass man sich eigentlich in einer anderen als der aktuellen Jahreszeit fühlt. Werden dadurch vielleicht auch die Allergien weniger, wie neuere Forschungen nahelegen? Von der Bruchstelle, die herkömmliche Kalender zu Silvester produzieren und die einige unangenehm erleben, ist beim Jahresring nichts zu finden.

Sonnenbahnen über dem PlanetariumAbb. 5: Die Sonnenbahnen über dem Planetarium vom 24.4. bis 8.5.2003 (von den Treppen am Stadtparksee aus gesehen, Foto und Fotomontage: M. Zarth)

Viele Dinge, die wir bei den Sonnengang-Uhr-Präsentationen über den Jahreslauf hören und erzählen, lassen sich auch ohne Sonnengang-Uhr, nur an diesem Jahresring erleben. Und jeder, der mit dem Jahresring in ein eigenes Tun kommt, wird wohl viele weitere, mehr oder weniger subtile, ganz eigene Erfahrungen machen, von denen die Kunstwerkstatt Sonnengang-Uhr gerne etwas erfahren würde.

Die Jahresringe sind in den Größen von 30, 45, 60 und 90 cm Durchmesser auf Kappa-Fix-Platten (10 mm starke, papierkaschierte Weichschaumstoffplatten) oder auf stabileren, abwischbaren Forex-Platten (5 mm starke, direkt bedruckte Hartschaumplatten) erhältlich. Auf Forex sind auch Größen bis 150 cm Durchmesser realisierbar, die insbesondere für Schulen, größere Gemeinschaftsräume usw. geeignet sind. Spenden für das Projekt sind jederzeit sehr willkommen.

Bei Interesse an einem Jahresring, bei Rückfragen, Anmerkungen und Ideen wenden sie sich jederzeit gerne an jemanden im Forsthaus oder an:
Martin Zarth: Tel. 42840-3540 (tags), 6045534 (abends).
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