Der Garten der Sinne liegt im Stadtpark Winterhude südlich der großen Festwiese, östlich des Ruhegartens und nördlich des Landhauswegs. Das Landhaus Walter liegt in ca. 200 m Luftlinie westlich. Die Flächen haben eine Größe von etwas mehr als 0,5 ha (5.000 m2) und sind dicht mit zahlreichen Großbäumen bestanden. Die Flächen werden wird bislang wenig genutzt. Ausnahme bildet ein ebenerdiges Labyrinth, das vor einigen Jahren angelegt wurde, zwischen zeitlich unbetreut war und mittlerweile wieder Paten gefunden hat.

Ziel des Beteiligungsprojektes war es, diesen Teil des Parks mit interessierten Parknutzern und Anrainern weiter zu entwickeln. Dabei sollten der Charme des Ortes und auch die ruhige, zurückhaltende Art der Nutzung erhalten bleiben.

I. Auftaktphase (August 2013)

Zunächst wurde Kontakt zu möglichen Interessierten aufgenommen. Darunter waren die Sozial- und Bildungseinrichtungen im Stadtparkumfeld, hier insbesondere dem Südring:

  • Heinrich-Hertz-Schule, Südring
  • Goldbekschule Poßmoorweg
  • Schule Carl-Cohn-Straße
  • Kindertagesstätte am Südring
  • Kindertagesstätte im Stadtpark
  • Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (BZBS), Borgweg
  • Hamburger Blindenstiftung, Südring
  • Leben mit Behinderung in Hamburg (LmBHH) am Südring
  • Elbe-Werkstätten, Südring/Alster City

Der Kontakt wurde schriftlich und telefonisch hergestellt, mit einigen Institutionen wurden Informationsgespräche geführt. Die Institutionen selbst haben dann, soweit sie Interesse und Kapazitäten hatten, Ansprechpartner aus dem Betreuer-/Lehrerkreis benannt, die später an den Veranstaltungen teilnahmen. Darüber hinaus wurden Einzelpersonen direkt sowie Parknutzer über Aushänge im Park angesprochen. Das artikulierte Interesse war sehr groß, gerade die Schulen signalisierten anfangs große Bereitschaft zur Mitarbeit, der sich aber im Jahr 2014 letztlich nicht realisierte. Es scheint aber Interesse zu bestehen, mittelfristig in das Projekt „Garten der Sinne" erstmals bzw. wieder einzusteigen.

II. Beteiligungs- und Planungsphase (September 2013 bis Februar 2014)

Die Planungsphase verlief in drei Stationen mit schrittweiser Entwicklung loser Ideen hin zu konkreten Vorhaben.

1. Planungsworkshop - Erkundung und Planung 20. September 2013

Markierung durch FähnchenDer erste Planungsworkshop diente der Annäherung und Erschließung der Fläche, die den meisten Teilnehmer unbekannt war. Das kleine Waldstück wurde in Kleingruppe erkundet. Die Teilnehmer hatte die Aufgabe, Orte oder Situation mit Fahnen zu markieren. Später wurden diese Orte in ihren Besonderheiten besprochen und Gestaltung- und Nutzungsideen entwickelt. Das Ergebnis wurde in einem ersten Plan festgehalten, in dem sich die späteren Interventionsräume durch „Fähnchenhäufungen" schon erkennen ließen. Der Plan wurde Grundlage für die Diskussionen im zweiten Workshop.

(Abb. 1 (oben): „Fähnchen“ markieren die von der Teilnehmern als besonders wahrgenommenen Orte (Darstellung Berthold Eckebrecht / polis aktiv))

2. Planungsworkshop - Vorstellung des Entwurfs 21. November 2013

Orte und IdeenIm zweiten Workshop wurden die Vorstellungen vertieft, indem dem besonderen Orten Nutzungsvorstellungen zugeordnet wurden und Ausführungsweisen angedacht wurden. Besondere Beachtung fanden dabei auch die Fragen, was Barrierefreiheit heißen kann und wie ein wildes Stück Park auch für Sehbehinderte und Mobilitätseingeschränkte im Prinzip zugänglich werden kann.
Die Ergebnisse wurden wieder in einem Plan festgehalten, in dem sich schon konkrete Projektdetails abzeichneten.

(Abb. 2 (rechts): Erster planerischer Schritt: Orte regen zu Ideen an und Ideen finden ihre Orte (Darstellung Berthold Eckebrecht / polis aktiv))

3. Planungsworkshop - Vorabstimmung der Umsetzungsschritte 13. Februar 2014

Der dritte Workshop sollte die Umsetzung direkt vorbereiten. Zielsetzung war, Interessenten bzw. Verantwortliche für die Projekte zu finden. Dieser Prozess war erwartungsgemäß schleppend. Zwischen der Artikulation eines grundsätzlichen Interesses und der Übernahme von konkreter Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung von Projekten liegt eine zu überwindende – emotionale – Schwelle! Wer geht vorneweg?

Garten der Sinne, fortgeschrittenAuf dem Termin wurde dieser notwendige Schritt dennoch genommen und ein Termin Ende März zum „Pflöcke einschlagen“ vereinbart. Es zeigte sich sogar, dass nicht wenige ungeduldig darauf warteten, zur Tat schreiten zu können. Schnell fanden sich so Konstellationen, die den Termin zum Frühlingsanfang vorbereiteten.

(Abb. 3 (links): Der fortgeschrittene Garten der Sinne (Darstellung Berthold Eckebrecht))

III. Umsetzungsphase

Die Umsetzungsphase begann im März 2014 mit der Beauftragung einer Gartenbaufirma für schwere Vorarbeiten wie den Transport von Baumstämmen und Steinen und die Anlieferung von Rindenmulch (18. bis 21. März). Am 22. März erfolgte der Auftakt mit dem offiziellen „Pflöcke einschlagen“, einem Termin, zu dem zahlreichen Helfer erschienen, die den Verlauf des Tastweges abstecken halfen.Tastweg

Eine Woche später wurde eine erste Partie Pflanzen vom Betriebsgelände einer spendierfreudigen Baumschule selbst abgeholt, etwas später wurden weitere Pflanzen für den Nadelbaumpfad angeliefert. Am 28. und 29. März erfolgten die Pflanzarbeiten durch tatkräftige Mitarbeit zahlreicher Helfer1. In den folgenden Wochen gab es weitere größere und kleinere Arbeitseinsätze durch die Elbe-Werkstätten (Pflegeschnitt, Wässerung) und die LmBHH, unterstützt durch „die gute Tat“ (Steinsetzarbeiten).

(Abb. 4 (rechts): Der Tastweg in planerischer Konkretisierung (Darstellung Berthold Eckebrecht))

Parallel dazu erfolgten erste Eroberungen des Gartens der Sinne durch Gruppen der BZBS. Die Kinder richteten sich unter Anleitung ihrer Betreuer den Lernraum am Südende der Flächen selbst ein. Erstaunlicherweise waren das Platzieren der großen, schweren Baumstämme, die die Gartenbaufirma mit Maschinen (!) vorgerückt hatte, nicht wirklich ein Problem für die Kinder, für die Kooperation offenbar selbstverständlich ist.

Pflöcke einschlagen und Drillinge setzenZum Stadtparkfest am 5. Juli 2014 konnte dann ein kleiner Abschluss im Lernraum gefeiert werden. Mit dem Lernraum im Süden und mit dem Labyrinth im Norden, das ja auch schon vorher bestand, hat der Garten der Sinne nunmehr zwei aktive eigenständige Fixpunkte an den Enden des Tastwegs. Der Weg selbst bildet das Rückgrat des Gartens, an dem entlang „Gäste“ in den Garten finden.


(Abb. 5-7: „Pflöcke einschlagen“ und „Drillinge setzen“ zum Frühlingsanfang (Fotos polis aktiv))

IV. Etablierungsphase

Treffen im LernraumDer Garten der Sinne ist kein abgeschlossenes Projekt, auch wenn die konzentrierte Arbeit zwischen Sommer 2013 und Sommer 2014 vorerst ein Ende gefunden hat. Zum Stadtparkfest am 5. Juli trafen sich die Beteiligten zum Abschluss im Lernraum. Mit einem kleinen Imbiss wurde das Bewältigte, mit Ideen und handfester Beteiligung, gewürdigt, ohne das Kritisches verborgen blieb.

(Abb. 8 (rechts): Treffen im „Lernraum“ zum Stadtparkfest am 5. Juli 2015 (Foto polis aktiv))

Der Garten wird nach dem Aufmerksamkeitsschub im Rahmen des Stadtparkjubiläums nun wieder seinen stillen Normalzustand annehmen und wieder der Rückzugsraum für ruhige Parknutzer sein, der er auch zuvor war.

SchwefelporlingDie Gruppen, die Lernraum und Labyrinth in die Hand genommen haben und betreuen, bleiben wohl zunächst allein – sieht man von den Zufallsgästen und den Elbe-Werkstätten ab. Letztere schauen mit ihrer Gärtnerkolonne hin und wieder nach dem Rechten, schneiden Gehölze zurück, wässern und richten den ein oder anderen losen Stein. Immer wieder mal muss dann jemand auf den alten Baumstamm schauen, der einem fortlaufenden Zersetzungsprozess unterworfen ist und irgendwann einmal brüchig wird, nicht heute und morgen, aber absehbar in den kommenden Jahren.

(Abb. 9: Der Baumstamm mit Fruchtkörpern des Schwefelporlings (Foto Berthold Eckebrecht))

Vielleicht bekommen die derzeit Aktiven aber auch Gesellschaft, denn die Schulen haben an der Umsetzung in 2014 zwar nicht teilgenommen, aber es liegen Interessenbekundungen und Zusagen für zukünftige Mitarbeit vor, auch wenn die Taktung des Schulalltags und der jährliche Wechsel der Personen immer „querschießen“ wird.

Aber alle am Garten Beteiligten sind auf ihre Weise in Alltag eingebunden. Manche haben nur nach der Arbeit Möglichkeit, sich zu beteiligen. Schüler und Lehrer oft innerhalb der Unterrichtszeiten, ein anderes Mal gerade nur außerhalb und gar nicht während der Ferien. Andere haben vielleicht ganztags Zeit, sind aber von der Organisation überfordert, solang sie allein arbeiten müssten. So kann es sein, dass immer dann, wenn Arbeit anliegt, kaum jemand verfügbar ist, und dann, wenn alle Zeit hätten, kaum etwas zu tun ist.

Um diesen ganz und gar verständlichen „Unstetigkeiten“ möglicher Interessenten begegnen zu können, wäre es sinnvoll, eine gewisse Regelhaftigkeit zu etablieren - Institutionenbildung, wenn man so will.

Vorstellbar wäre, dass sich die Aktiven zweimal im Jahr auf Einladung des Stadtpark Vereins treffen, um z.B. im zeitigen Frühjahr und im späten Herbst das kommende wie das zurückliegende Gartenjahr zu besprechen. Damit würde man an einem vertrauten Ort auf vertraute Weise zusammen kommen, Gespräche führen und Verabredungen treffen.
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1 Der Garten der Sinne wurde auf bemerkenswerte und liebenswürdige Weise von den Freiwilligenorganisationen „Die gute Tat“ (www.gute-tat.de) und „tatkräftig“ (www.tatkraeftig.org) unterstützt.

(Text: Berthold Eckebrecht, Landschaftsarchitekt bdla,
Fotos und Abbildungen: Berthold Eckebrecht, polis aktiv)